Archiv für den Monat: April 2016

Europatagung `16: Aktuelles und Kulturelles

Ein Suchender, Neuerer, Pionier, Individualist und Unvollendeter: So beschrieb Günter Kruse den weitgehend unbekannten baltischen Arzt und Psychotherapeuten Eugen von Grosschopff auf der Europatagung der Deutsch-Balten, die im Mai in Hannover stattfand.Es war nur einer der Vorträge, die auf der 19. Europatagung der Deutsch-Baltischen Gesellschaft in Niedersachsen die Besucher nachhaltig beeindruckten.

Zunächst zeichnete die aus Lettland stammende Journalistin Anda Godlinska die lettische Staatsgründung 1918 nach. Ihr Beitrag „Drei Nationalitäten, vier Ideologien und die Gründung des lettischen Staates“ zeichnete detailliert die komplizierten politischen und gesellschafrlichen zusammenhänge der Jahre 1914 bis 1919 nach. Mit Einzelheiten, die selbst gut informierten Deutsch-Balten neue Erkenntnisse verschafften.

Das Anliegen des Psychologen Günter Kruse war es, den Halbbruder seiner Mutter dem Vergessen zu entreißen. So berichtete er über das Leben und die Leistungen Grosschopffs, der schon in den 1920er und 1930er Jahren die Reformen in Medizin und Therapie gefordert hatte, die teilweise erst lange nach dem Krieg verwirklicht wurden. Dies erlebte der Arzt aber nicht mehr, denn er geriet mit der braunen Ideologie in Konflikt und kam 1941 in Gestapo-Haft ums Leben.

Der Berliner Turkologe Sebastian Cwiklinski behandelte die Auswirkungen der Annexion der Krim und der Ukraine-Krise auf das Baltikum. Schließlich stellte die Leiterin des Deutschen Kulturinstituts (DKI) in Dorpat, Malle Ploovits, ihre Einrichtung und dessen Aufgaben vor. Das Jahr 2017 wird für das DKI zum Schicksalsjahr, weil dann der Erhalt auf der Tagesordnung steht. Es geht, wie immer, ums Geld… (am/mz)